Diese KI-Viper Shooting Brake könnte Realität werden

Der Entwurf von Sebastian Simonsson sorgt für viel Aufmerksamkeit. Wir sprachen mit ihm

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Vorweg: Wir befürworten den Einsatz von KI nicht, um damit originäre "Kunst" zu schaffen. Künstlerinnen und Künstler verbringen mitunter ihr ganzes Berufsleben damit, ein Handwerk zu meistern - nur damit eine Maschine in einem Bruchteil der Zeit ein nachweislich schlechteres Ergebnis "produziert". Zur Einordnung: Für all unsere eigenen Renderings arbeiten wir mit echten Illustratoren.

Zudem kursieren zu viele bizarre Auto-Resultate von künstlicher Intelligenz im Netz. Man sehe sich zum Beispiel nur einmal YouTube an. Trotzdem kann das Experimentieren mit KI (AI auf englisch) mitunter auch angenehm unerwartete Ergebnisse liefern.

Dodge Viper RT/10 Shooting Brake KI-Konzept von Sebastian Simonsson

Der hier gezeigte Dodge Viper RT/10 Shooting Brake stammt vom selbsternannten "AI Designer" Sebastian Simonsson (dem man auf Instagram folgen kann). Simonsson arbeitet seit mehr als 25 Jahren in der Autoindustrie und war unter anderem für hochwertige Visualisierung und Marketing für Unternehmen wie Koenigsegg, Oilstainlabs und weitere tätig.

Wir haben Simonsson kontaktiert, um besser zu verstehen, worum es bei dem Projekt geht.

"Die Viper war ehrlich gesagt nie wirklich ein persönlicher Favorit", sagt Simonsson gegenüber Motor1. "In meiner Jugend hat mich JDM stark angezogen, und in der zweiten Hälfte meines Lebens lag mein Fokus fast ausschließlich auf Porsche - dort liegt meine echte Leidenschaft."

Der Startpunkt sei wie bei vielen guten Projekten eine wilde Idee gewesen. Daraus entstand zunächst eine eigene Skizze, die er anschließend in eine KI einspeiste und für das finale Rendering weiter verfeinerte. Wer genau hinsieht, erkennt an den "Viper"- und "RT/10"-Schriftzügen sofort die KI-Handschrift. Insgesamt wirkt das Konzept aber weitgehend realistisch - und erstaunlich gelungen.

Fotos von: Sebastian Simonsson

Simonsson ging an das Thema mit einem einfachen Prinzip heran: "Lagom". In Ländern wie Schweden bedeutet das frei übersetzt "nicht zu viel, nicht zu wenig". Trotz der unkonventionellen Karosserieform wirkt das Viper-Konzept aufgeräumt und zurückhaltend.

"Ich habe eine große Leidenschaft für Form und Farbe, aber meine Designsprache ist unverkennbar skandinavisch - geprägt von Zurückhaltung, Balance und Klarheit", sagt er. "Ich vermeide laute, übersättigte Farben sowie unnötige oder provokante Formen. Der Ansatz lässt sich am ehesten als OEM+ beschreiben, mit einem dezenten Einfluss aus dem Rennsport-Erbe und einer verfeinerten, zweckorientierten Umsetzung."

Natürlich ist Simonsson bewusst, wie kontrovers der Einsatz von KI zur Umsetzung dieses Konzepts ist. Auch er räumt ein, dass er sich nicht als Designer im klassischen Sinn sieht, sondern eher als "Creator", der wilde Ideen wie diese zum Leben erweckt.

"Auch wenn ich KI nutze, habe ich enormen Respekt vor 'echten' Designern", sagt er. "Ich sehe mich nicht als Designer im traditionellen Sinne - eher als Creator mit großer Leidenschaft für das Auto. Man könnte endlos darüber diskutieren, ob ich das Recht habe, hier zu sein oder das zu tun, was ich tue, ohne formell Fahrzeugdesign studiert zu haben."

"Aber nur ein Fach zu studieren macht einen nicht automatisch zu einem großartigen Designer, und es garantiert auch nicht dieses intuitive Fingerspitzengefühl dafür, was relevant, zeitgemäß oder schlicht stimmig ist. Dieses Gespür kann man nicht lehren - und ich würde behaupten, dass ich es habe, oder dass es zumindest in der Reichweite, dem Engagement und der Wertschätzung sichtbar wird, die meine Arbeit regelmäßig erhält."

"Für mich ist KI ein Rendering-Tool - mehr nicht", fährt Simonsson fort. "Die einzigen Inputs, die sie von mir bekommt, sind Kameraeinstellungen sowie eine sehr klare Absicht für Licht, Stimmung und Atmosphäre. Urheberschaft, Intention und Designentscheidungen bleiben vollständig bei mir."

"Wichtig ist außerdem: Ich nutze KI erst seit sechs Monaten. Davor basierte alles, was ich gemacht habe, auf klassischen 3D-Modelling- und Design-Workflows. Was sich geändert hat: Ich musste besser im Skizzieren werden - und darin, Intention durch Zeichnungen klar zu kommunizieren. Für mich ist das ein klassisches Win-win."

 

Unabhängig davon, wie man Simonssons Entscheidung für KI bewertet: Schwer zu bestreiten ist, dass die Idee auf den ersten Blick äußerst reizvoll wirkt. So reizvoll sogar, dass sie in den Kommentaren unter Simonssons Instagram-Post Hunderte Reaktionen ausgelöst hat - darunter auch Rennfahrer Jenson Button, der schrieb: "So much want!!" (frei übersetzt: "Haben will!")

"Innerhalb der ersten 24 Stunden wurde das Projekt mehr als 30.000 Mal geteilt, bekam über 100.000 Likes und erzeugte knapp 900 Kommentare", sagt Simonsson. "Ich bin unglaublich dankbar und ehrlich gesagt überwältigt von der Resonanz. Was ich nicht erwartet habe, war das, was danach passierte: Nach dem ersten Tag wurden immer mehr große Accounts, bekannte Unternehmen, Unternehmer und Branchenleute darauf aufmerksam. Kurz darauf saß ich in Meetings."

Was für Meetings genau? Simonsson deutet an, dass das Projekt potenziell auf dem Weg in Richtung Kleinserie sein könnte.

"Mit den Partnern, die jetzt beteiligt sind - viele davon mit umfangreichem Rennsport-Hintergrund, inklusive direkter Erfahrung mit der Viper-Plattform -, haben wir ein sehr klares Verständnis davon, wo das Auto besser werden muss. Wir gehen Chassis-Entwicklung, Gewichtsverteilung, Bremsleistung, strukturelle Integrität und die Gesamtqualität an und verfolgen dabei einen wirklich ganzheitlichen Ansatz, um diese Ikone neu zu interpretieren."

Ob mit oder ohne KI: Es sieht stark aus. Hoffen wir, dass wir in naher Zukunft eine echte Version auf der Straße sehen. 

© Motor1.com
Autor: Jeff Perez