Cupra Born VZ (2026) im Test: 240-kW-Kompaktsportler für viel Spaß

Der Born mit neuer Launch Control, One-Pedal-Driving und besserem Cockpit macht viel Laune, wenn man ihn von der Leine lässt.

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Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Der Cupra Born ist bereits seit Januar 2022 auf dem Markt. Vier Jahre später ist es nun höchste Zeit für ein Facelift. Dabei wird die Optik an die anderen Modelle der Marke angeglichen und die Technik aktualisiert. Wir haben die Topversion VZ rund um Madrid getestet.

Technische Basis des Cupra Born ist der weiterentwickelte Elektrobaukasten MEB+, aber nach wie vor in der Version mit Heckantrieb. Neu sind One-Pedal-Driving, ein deutlich verbessertes Cockpit und bidirektionales Laden. Die schwächeren Versionen erhalten einen neuen Elektromotor (APP350) und im Fall der Basisvariante auch einen neuen 58-kWh-Akku mit LFP-Chemie. Cupra stellte uns die VZ-Version zum Test zur Verfügung; diese bekam aerodynamische Detailverbesserungen zugunsten von Verbrauch und Reichweite. Hier sind die wichtigsten Daten der gefahrenen Version:

  Cupra Born VZ
Antrieb RWD 240 kW, 545 Nm (PSM)
0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit 5,6 Sek. / 200 km/h
WLTP-Verbrauch 14,1-16,2 kWh/100 km
Akku netto 79 kWh
WLTP-Reichweite 553-630 km
DC-Ladeleistung / Ladedauer 183 kW / 29 min (10-80 %)
Preis 50.990 Euro
(46.990 Euro mit Cupra-Tribe-Bonus)

Exterieur | Interieur | Fahreindrücke | Preise/Rivalen | Fazit


Cupra Born VZ (2026, Bilder zum Test)

Exterieur

Was die Optik angeht, so erhielt der Cupra Born vorn wie hinten die neue Cupra-Lichtsignatur mit Dreiecken statt Lichtlinien, ein illuminiertes Cupra-Logo hinten sowie neue Schürzen. Generell spricht Cupra von einem "parametrischen Design". Das bedeutet, dass winkelförmige Teile des Markenlogos an allen möglichen Stellen eingebaut werden, zum Beispiel am Gitter des vorderen Lufteinlasses oder an den C-Säulen.

Der Cupra Born ist bekanntlich ein Schwestermodell des VW ID.3 (Neo); deshalb ist klar, dass die Maße ähnlich sind. Doch die spanische Variante des elektrischen Kompaktwagens ist wegen der größeren Überhänge etwa sieben Zentimeter länger. Außerdem wirkt die Cupra-Version deutlich sportlicher.

Zu den Unterschieden gehören auch die markentypischen Mattlackierungen und die schicken Felgen. Mein Testwagen war im neuen Dunkelgrau-Ton lackiert, Timanfaya Grey genannt (750 Euro). Wenn Sie neugierig sind: Das ist der Name eines Nationalparks auf Lanzarote. Da wir die VZ-Version fuhren - das Kürzel steht für veloz (spanisch für "schnell"), waren 20-Zöller mit breiten 235er-Reifen montiert.   

Interieur und Bedienung

Innen erhielt der Born mit dem Facelift ein doppelt so großes Instrumentendisplay wie bisher (10,25 statt 5,3 Zoll), der Touchscreen misst nach wie vor 12,9 Zoll. Mein Testwagen hatte zudem das optionale Head-up-Display an Bord, das mich wenig überzeugte. Zumindest bei strahlendem Sonnenschein bietet es zu wenig Kontrast; die grünen Augmented-Reality-Pfeile, die im oberen Teil erscheinen, um einen anstehenden Spurwechsel anzuzeigen, sah ich fast doppelt. Die 1.500 Euro für das Drive Pack würde ich mir wohl sparen.

Die Tasten am Lenkrad sind nun wieder "ganz normal" ausgeführt. Die glänzenden Touch-Elemente der alten Version mit ihrem "haptischen Feedback" wackelten immer etwas, wenn man sie drückte. Ebenfalls sehr löblich: Die Fensterheber werden wieder über vier Tasten bedient; bisher gab es nur zwei und einen Umschalter für hinten. Besonders, wenn es schnell gehen sollte, weil man im Stress war, sorgte das für Verwirrung.

Der Touchscreen enthält immer noch Touch-Slider zur Einstellung der Temperatur. Sie sind nun aber beleuchtet, sodass man sie auch nachts trifft. VW hat sie beim ID.3 Neo durch eine Art Klaviatur mit physischen Tasten ersetzt. Für mich ist die Bedienung damit kein Problem. Allerdings finde ich die Anzeige des gerade geltenden Tempolimits zu klein:

Die Sitze sind beim Born VZ serienmäßig "Supersport-Schalensitze". Diese sehen so sportlich aus, wie sie heißen, halten einen in der Kurve gut fest, sind aber auch bequem. Die Rückseite ist hart, was bei großen Fondpassagieren ein Problem für die Kniescheiben darstellen könnte. Zwei 1,75 Meter große Personen können aber gut hintereinander sitzen. Auch die Kopffreiheit reicht aus.

Bilder von: InsideEVs

Fahreindrücke

Der Born VZ hat nach wie vor einen 240-kW-Heckantrieb (mit einem Permanentmagnetmotor namens APP550) und eine 79-kWh-Batterie mit NMC-Chemie. An beidem wurde nichts verändert. Dass der Wagen dennoch etwas sparsamer wurde, liegt an aerodynamischem Feinschliff.

Unser Born VZ stand allerdings nur für zwei Stunden zur Verfügung. In dieser Zeit kann man natürlich nicht alle Systeme komplett erkunden, zumal die Hälfte davon auch noch der mitfahrende Kollege übernahm. Aber besser als eine Probefahrt beim Händler war es allemal, und ich habe schnell gemerkt, dass der Antrieb enormen Vortrieb liefert und eine Menge Spaß macht - ich ließ es richtig krachen, wann immer ich genug freie Straße vor mir hatte.

Zum Losfahren dreht man einen Hebel rechts am Lenkrad auf "D". Oder eins weiter bis auf "B", wenn man den neuen One-Pedal-Driving-Modus erproben will. Tatsächlich kommt man dann allein durch Freigeben des Gaspedals bis zum Stopp.

Allerdings verwirrte mich die "2", die daraufhin im Instrumentendisplay erscheint, und die für die Rekuperationsstärke steht. Warum nicht "3", also die stärkste Bremswirkung? Über die Lenkradwippen kann man doch auch Stufen von 0 bis 3 aktivieren. Die stärkste Rekuperation mit einer Verzögerung von -2,2 m/s2 erhält man tatsächlich im B-Modus in Stufe "2", erklärte mir später die Produktmanagerin. Wenn man die "2" über die Lenkradwippen aktiviert, ist die Verzögerung schwächer. Wie schwach, hängt vom Fahrmodus ab.

Die Details gehen aus dem folgenden Chart hervor. Alles in allem wurde das System wohl von richtigen Nerds programmiert; die machten es unnötig kompliziert. Aber die Details muss nur kennen, wer wissen möchte, was das Auto tut. Ignoriert man den ganzen Kram, kommt man auch zurecht.

Die Tabelle oben zeigt auch die Fahrmodi Range, Comfort, Performance und Cupra. Diese wirken sich spürbar auf das Fahrwerk aus, denn der Born VZ besitzt steuerbare Stoßdämpfer (DCC). Die Lenkung ist direkt, aber da bin ich nicht so feinfühlig wie andere Kollegen; deswegen ist mir das Thema auch weniger wichtig. Range und Comfort optimieren die Reichweite bzw. den Fahrkomfort. Dabei bleibt das Auto leise. In Performance und besonders in Cupra röhrt der Wagen jedoch ziemlich. Lange nicht so realistisch wie beim Hyundai Ioniq 5 N, aber es ist doch eine Bereicherung des Fahrerlebnisses, finde ich.  

In allen Modi, selbst in Range, hängt der Born gut am Gas. Schon kleine Bewegungen mit dem Fuß setzt er schnell in Vortrieb um. Um Spaß auf der Landstraße zu haben, empfehle ich aber den Cupra-Modus. Auch darin fühlt sich der Wagen nicht übertrieben hart an, aber die Performance macht wirklich Laune. 545 Newtonmeter Drehmoment sind eben eine Hausnummer.

Mehrmals habe ich auch die neue Launch Control erprobt. Dazu wählt man den Cupra-Modus und betätigt (im Stand) Gas und Bremse gleichzeitig. Im Display erscheint dann "Launch Control available". In dem Moment, wo man die Bremse freigibt, werden die Gurte gestrafft, ein blaues Licht unter der Frontscheibe blitzt auf, und dann geht es in einem Höllentempo voran. Wer während der Fahrt für 30 Sekunden die Maximalleistung abrufen möchte, nutzt stattdessen den e-Boost-Knopf rechts unten am Lenkrad. Letzteren haben wir nicht erprobt, die zwei Stunden vergingen einfach viel zu schnell.

Nach WLTP-Norm braucht der Born VZ 14,1 bis 16,2 kWh/100 km. Die am Bordcomputer abgelesenen Verbräuche ab Start lagen allesamt zwischen 15,4 und 18,5 kWh/100 km. Am Ende der Testfahrt, bei der wir nicht auf Sparsamkeit achteten, meldete das Display 15,7 kWh. Wegen der spanischen Tempolimits rund um Madrid fuhren wir allerdings nie schneller als 100 km/h, und ein Teil der Route führte durch die Stadt. 

Preise und Rivalen

Die Produktion des gelifteten Cupra Born in Zwickau startet im Mai. Das gilt allerdings für die beiden stärkeren Versionen mit 170 bzw. 240 kW, während die 140-kW-Basisvariante mit der LFP-Batterie erst ein paar Wochen später folgt. 

Der Born VZ kostet laut Preisliste 50.990 Euro. Für einen Kompaktwagen ist das wahrlich viel. Allerdings darf man zumindest bis Ende Juni einen Cupra-Tribe-Bonus in Höhe von 4.000 Euro abziehen. So steht der Wagen mit 46.990 Euro im Konfigurator. Auch das ist noch nicht wirklich günstig.

Aber man muss bedenken, dass der Born VZ bei Leistung und Reichweite ziemlich vorne liegt. Auch laden kann das Auto schnell (maximal 183 kW, 10-80 % in 29 min). Abgesehen vom bald startenden Schwestermodell VW ID.3 Neo GTX mit 240 kW gibt es kaum Kompaktwagen, die so viel Leistung mit so viel Reichweite kombinieren. Der neue Hyundai Ioniq 3 liegt wegen seiner sportlichen Optik nahe, kann aber bei Antrieb und Reichweite nicht mithalten.

Der Nissan Leaf 75 kWh und der größere Kia EV4 Long Range schaffen ebenfalls über 620 Kilometer nach WLTP-Norm, bieten aber nur 150 bis 160 kW Antriebsleistung. Umgekehrt trumpfen der Volvo EX30, der Smart #1 und #3 zwar mit bis zu 315 kW starken Antrieben auf, haben aber deutlich weniger Aktionsradius. Hier eine kleine Vergleichstabelle:

  Antrieb 0-100 km/h Reichweite Ladedauer
(Ladeleistung)
Basispreis
Cupra Born VZ RWD 240 kW 5,6 Sek. bis 630 km 29 min
(183 kW)
46.990 Euro
VW ID3 Neo GTX RWD 240 kW 5,6 Sek. ca. 630 km 29 min
(183 kW)
k.A.
Nissan Leaf 75 kWh FWD 160 kW 7,6 Sek. 624 km < 30 min
(150 kW)
41.200 Euro
Kia EV4 Long Range FWD 150 kW 7,7-7,8 Sek. bis 625 km 31 min
(128 kW)
43.240 Euro
Volvo EX30 P5 Long Range RWD 200 kW 5,3 Sek. bis 475 km 27 min
(153 kW)
43.490 Euro

Fazit

Der Cupra Born VZ gehört wohl zu den sportlichsten Elektroautos in der Kompaktklasse. Dafür sind die knapp 47.000 Euro angemessen. Für das reine Berufspendeln ist das Auto freilich viel zu schade. Der 240-kW-Spaßmacher fühlt sich auf der Landstraße viel wohler als im Stadtgetümmel.

Dazu kommt die hohe Reichweite. Wer in der Kompaktklasse viel Leistung und viel Reichweite will, kommt am Born VZ und dem (demnächst wieder verfügbaren) VW-Schwestermodell ID.3 GTX kaum vorbei. Die Neuerungen im Cockpit sowie Goodies wie das One-Pedal-Driving und die Launch Control halten das Auto attraktiv. Bis es einen elektrischen VW Golf GTI gibt, werden wohl noch einige Jährchen ins Land gehen.

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Autor: Stefan Leichsenring