Der Peaq ist das neue Elektro-Flaggschiff von Skoda. Auf knapp 4,90 Meter Länge bietet er Platz für bis zu sieben Insassen und Reichweiten von bis zu 642 km nach WLTP. Dennoch bleibt er relativ erschwinglich. Wir haben die voraussichtlich beliebteste Motorisierung gefahren, den Peaq 90 mit 210-kW-Heckantrieb und der großen 86-kWh-Batterie.
Der Skoda Peaq basiert wie der Skoda Epiq auf dem weiterentwickelten Elektrobaukasten (MEB+), hat jedoch Heckantrieb. Denn unter MEB+ versteht der Konzern nicht die verkürzte Version des MEB mit Frontantrieb, sondern eine Variante mit Detailverbesserungen wie bidirektionales Laden, One-Pedal-Driving und wohl auch neue Motoren und Batterien. Hier erst mal die wichtigsten Daten des getesteten Modells:
| Skoda Peaq 90 | |
| Antrieb | RWD 210 kW, 545 Nm |
| 0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit | 7,1 Sek. / 180 km/h |
| WLTP-Verbrauch | 15,1 - 17,6 kWh/100 km |
| Akku netto | 86 kWh |
| WLTP-Reichweite | 553-642 km |
| DC-Ladedauer 10-80 % | 28 min |
| Basispreis | 57.900 Euro |
Exterieur | Interieur | Fahreindrücke | Preise/Rivalen | Fazit
Exterieur
Wie der Epiq folgt auch der Peaq der neuen Designsprache Modern Solid. Dazu gehören die T-förmige Lichtsignatur vorn und hinten sowie das schwarze Tech-Deck-Face. Anders als der Epiq und jeder andere bisherige hat der Peaq jedoch bündige Türgriffe. Um die Sicherheit muss man sich jedoch keine Sorgen zu machen, hieß es. Die Betätigung erfolge mechanisch mit Bowden-Zügen. Elektrisch sei nur das Ausfahren der Griffe, wobei der Strom für die kleinen Elektromotoren aus der Starterbatterie kommt. Fällt diese bei einem Unfall aus, gebe es in den Türen kleine Kondensatoren, die genau so viel Strom speichern, dass es für einmaliges Ausfahren der Griffe reicht.
Der Peaq hat einen Radstand von fast drei Metern; so hat er auch einen recht großen Wendekreis. Für den Peaq 90 werden 9,9 Meter angegeben, bei der Allradversion 90x sind es gleich 11,4 Meter, weil hier das Lenkgestänge vorn wegen des Frontmotors weniger Spielraum hat. Zum Vergleich: Beim Enyaq 85 sind es 9,3 Meter, beim Enyaq 85x 10,8 Meter.
Der Peaq rollt serienmäßig auf 19-Zöllern, optional gibt es 20 und 21 Zoll. Die Farbpalette umfasst neun Lackierungen; mir hat das leuchtende Blau auf den Bildern am besten gefallen. Wer es dezent mag, kann aber zum Beispiel auch ein Dunkelgrün bestellen.
Interieur
Innen hat der Peaq serienmäßig ein 10,25-Zoll-Instrumentendisplay und einen 13,6-Zoll-Touchscreen. Letzterer ist anders als bei Epiq, Elroq und Enyaq senkrecht eingebaut. Die Idee dahinter: Die Kundschaft hat nach Untersuchungen von Skoda meist die Karte aktiviert. Die wichtigsten Bedienfelder sollten sich dann darunter befinden, sodass man sie mit dem Handballen auf der Mittelkonsole leicht anwählen kann. Das funktioniert auch ganz gut. Zudem bietet das auf Android Automotive basierende System eine schöne Google-Earth-Satellitenansicht.
Im Testfahrzeug war auch das Head-up-Display verbaut, das allerdings nicht sehr groß ausfällt. Zudem gab es Kissen an den Kopfstützen. Ganz so weich wie bei der Mercedes S-Klasse oder im ICE sind sie nicht, aber weicher als die Kopfstütze selbst.
Die Materialien sind gut; unser Testfahrzeug hatte ein mit Velours bezogenes Armaturenbrett, an dem im Dunkeln ein sehr schönes, indirektes Ambientelicht erschien.
Anders als beim Skoda Elroq und Enyaq muss man zum Systemstart nicht mehr das Knöpfchen drücken - sehr lobenswert. Zum Losfahren dreht man den Hebel rechts am Lenkrad auf D und gibt Gas. Genauso einfach geht es beim Abstellen des Autos: Man drückt den P-Knopf am selben Hebel, steigt aus und verriegelt. Fertig.
Unser Testwagen war ein Siebensitzer, den es für 990 Euro Aufpreis gibt. Dabei lassen sich die Sitze in der zweiten Reihe um etwa zehn Zentimeter längs verschieben. Sind sie in der vordersten Position, bringen Erwachsene gerade noch ihre Beine unter. Sind sie in der hintersten Position, gilt das Gleiche für Erwachsene in der dritten Sitzreihe.
Bilder von: InsideEVs
Ein so großes Auto wie den Peaq kauft man zumindest auch wegen des Kofferraums. Beim Fünfsitzer nennt Skoda ein Kofferraumvolumen von 935 bis 2.150 Litern, beim Siebensitzer 890 bis 2.075 Liter. Sind alle sieben Sitzplätze in Benutzung, bleiben laut Datenblatt noch 299 Liter. Dazu kommt noch ein 37 Liter großer Frunk.
Technische Daten der drei Peaq-Versionen als PDF zum DownloadFahreindrücke
Der getestete Peaq 90 bietet den altbekannten 210-kW-Heckantrieb, der hier mit der größten Batterie aus dem Baukasten kombiniert wird. Diese speichert 86 kWh netto, womit sich eine Reichweite von bis zu 642 km nach WLTP ergibt.
Dass man damit zu wenig Power hat, braucht man nicht zu befürchten: 545 Nm sind eine Menge Drehmoment und das Überholen auf der Landstraße bereitet keine Probleme, weil es eben nicht nur für einen kurzen Moment anliegt, sondern über einen breiten Bereich.
Zusammen mit meinem abwechselnd fahrenden Kollegen brauchte ich nur 15,5 kWh/100 km - das ist kaum mehr als nach Norm. Das zeigt, wie stark der Verbrauch vom Fahrstil abhängt. Wir fuhren sparsam und wegen der Straßen und des Verkehrs auch kaum schneller als Landstraßentempo.
Wie der tags zuvor gefahrene Skoda Epiq bietet auch der Peaq die Möglichkeit zum One-Pedal-Driving. Dazu muss man den Hebel rechts am Lenkrad auf B drehen. Wippen am Lenkrad zum Einstellen der Rekuperation hat der Peaq nicht serienmäßig, doch die gefahrene Sportline-Version besaß sie. Dabei gibt es drei Stufen. Wie beim Skoda Elroq bleibt die gewählte Stufe nur erhalten, bis man wieder Gas gibt. Nur im Sportmodus bleibt die Rekuperationsstufe gleich. Besser und einfacher verständlich wäre es, wenn die Rekuperationsstufe zumindest bis zum Abstellen des Autos erhalten bliebe.
Apropos Fahrmodi: Diese werden beim Peaq über den Touchscreen aktiviert, doch dort erschienen bei unserem Testauto nur die Modi Eco, Normal und Sport. Der Individual-Modus dürfte irgendwo in den Tiefen des Menüs versteckt sein. Generell fand ich den Epiq leichter zu bedienen, aber das liegt vielleicht an den vielen Funktionen des Peaq.
Die Sprachbedienung funktionierte genauso schlecht wie beim Epiq. Sie konnte weder die Fenster öffnen, noch eine Wissensfrage zum Alter von Kanzler Friedrich Merz beantworten. Die Ladeplanung haben wir hier nicht erprobt, doch laut den Skoda-Experten ist die Software (bis auf ein paar Zusatzfunktionen) die gleiche wie beim Epiq. Dort funktioniert sie sehr schnell und problemlos.
Das Testfahrzeug besaß das Serienfahrwerk, die Option DCC mit elektronisch gesteuerten Dämpfern war nicht verbaut. Auch so störte mich nichts daran, der Peaq rollte gut ab und wankte nicht zu stark.
Unser Testwagen meldete aber auch nach mehrmaligem Öffnen und Schließen, dass die Fronthaube nicht richtig geschlossen sei - bis mein mitfahrender Kollege auf die Idee kam, ein Taschentuch auf dem federnden Hauben-Kontaktschalter zu drapieren. Hoffentlich behebt Skoda das Problem in späteren Serienmodellen.
Preise und Ausstattung
Den Peaq 90 gibt es ab 57.900 Euro. Dafür erhält man die Version Selection. Die würde für meine Bedürfnisse ausreichen, die 4900 Euro Aufpreis für die Sportline-Version würde ich mir sparen. Auf das induktive Laden des Smartphones, das Abbiegelicht und das Rundumsichtsystem könnte ich verzichten. Nur dass ein sonst sehr gut ausgestattetes Fahrzeug keine Rekuperationswippen hat, verstehe ich nicht. Es gibt sie auch nicht als Extra.
Fazit
Dass man beim Skoda Peaq den Startknopf nicht mehr zu drücken braucht und dass One-Pedal-Driving möglich ist, stellt für mich ein echtes Plus dar. Allerdings würde das Auto enorm von Lenkradwippen zur Einstellung der Rekuperation profitieren. Bei einem ansonsten gut ausgestatteten Mittelklasseauto würde ich erwarten, dass man sie zumindest als Extra bestellen kann. Ansonsten bietet der Peaq viel Platz für Insassen und Gepäck, der Peaq 90 einen guten Antrieb, eine ordentliche Reichweite und auch ohne DCC ein gutes Fahrwerk. Und das alles zu einem noch erträglichen Preis.
Positive
- Viel Platz für Insassen und Gepäck
- One-Pedal-Driving möglich
- Kein Startknopf-Drücken nötig
Negativ
- Keine Rekuperations-Wippen
- Etwas kleines Head-up-Display
- Praktisch nutzlose Sprachsteuerung








