Peugeot Polygon Concept: Studie ist weniger als vier Meter lang

Zu den Besonderheiten gehören das rechteckige Hypersquare-Lenkrad und eine Steer-by-Wire-Lenkung.

InsideEVs.de: Elektroautos, Plug-in-Hybride: News, Tests

Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Ein Teaserbild von der Designstudie Peugeot Polygon wurde schon am 4. November veröffentlicht, nun gibt es alle Bilder und Informationen. Das Polygon Concept ist weniger als vier Meter lang und damit rund fünf Zentimeter kürzer als der E-208. Die Bezeichnung Polygon soll verdeutlichen, dass der Wagen mehr individualisierbar ist und so mehrere Facetten bietet.

Das Polygon Concept ist laut Peugeot keine bloße Fingerübung, sondern stellt einen Ausblick auf künftige Peugeot-Fahrzeuge dar. Einige Innovationen daraus will Peugeot ab 2027 einführen - insbesondere das rechteckige "Hypersquare"-Lenkrad und die Steer-by-Wire-Lenkung. Zu den weiteren Besonderheiten gehören das futuristische Design, die hohe Individualisierbarkeit und die verbesserte Nachhaltigkeit: Peugeot nutzt mehr Recycling-Materialien, weniger Teile, austauschbare Komponenten und neue Fertigungsmethoden.

Peugeot Polygon Concept (2025)

Hypersquare-Lenkrad und Steer-by-Wire

Seit über einem Jahrhundert wird ein rundes Lenkrad in unsere Autos eingebaut. Das Hypersquare bricht mit dieser Tradition. Es wird mit Steer-by-Wire gekoppelt: Statt einer mechanischen Verbindung zwischen Vorderachse und Rädern in Form von Lenkachse und Lenkgetriebe gibt es hier nur ein Signal-Kabel. Bisher wird diese Art von Lenkung nur beim Tesla Cybertruck und im Lexus RZ verwendet. Mercedes hat ein solches System angekündigt, auch der Zulieferer ZF hat es im Programm.

Das Lenkrad zusammen mit der elektronischen Lenkung ist das Herzstück einer neuen Generation des i-Cockpit. Es soll mehr Agilität und Fahrspaß bieten, unerwünschte Vibrationen herausfiltern und trotzdem wichtige Rückmeldungen von der Straße liefern.

Zu den Vorteilen gehört, dass das "Lenkverhältnis" an die Fahrgeschwindigkeit anpasst wird. Gemeint ist wohl die Lenkübersetzung (englisch steering ratio). Die Lenkung wird umso direkter, je langsamer man fährt. Bei niedrigem Tempo - zum Beispiel beim Einparken oder Wenden - muss man so weniger kurbeln, während man bei hohem Tempo, zum Beispiel auf der Autobahn, weniger leicht "verreißt": Der Geradeauslauf wird verbessert.

Schon kleine Drehbewegungen reichen aus. Das Hypersquare ermöglicht nur eine Drehung von maximal 170 Grad in jede Richtung, also insgesamt nur knapp eine volle Drehung statt drei volle Drehungen bei einem herkömmlichen Lenkrad. 

Das Hypersquare-Lenkrad besteht aus einem abgerundeten Rechteck. Die wichtigsten Bedienelemente sind über vier runde "Pods" an jeder Ecke mit den Fingerspitzen erreichbar, sodass die Hände am Lenkrad bleiben können, ohne einen Finger zu heben, schreibt Peugeot.

Micro-LED-Displays und neue Lichtsignatur

Das Polygon Concept hat auch keine herkömmlichen Displays mehr, sondern nur noch ein Head-up-Display: Alle Informationen werden über ein "Micro-LED-Panel" hinter dem Hypersquare auf die Windschutzscheibe projiziert. Die 24 Zentimeter breite und 74 cm hohe Anzeigefläche soll so groß sein wie bei einem 31-Zoll-Bildschirm. Und anders als bei einem heutigen Head-up-Display können die angezeigten Informationen individuell angepasst werden. Sie ändern sich je nach Modus (Cruise, Fun oder Hyper).

Bilder von: Peugeot

Statt des Drei-Krallen-Looks mit drei senkrechten LED-Elementen hat die Studie nun eine horizontale Lichtsignatur vorne und hinten. Die drei waagerechten Lichtlinien bestehen aus einer Vielzahl von Micro-LED-Bildschirmen, die im Stand verschiedene farbige Motive anzeigen können. An der C-Säule befindet sich neben dem Ladeslot auch ein Micro-LED-Bildschirm, der den Ladezustand zeigt:

Das Polygon Concept gibt auch einen Ausblick auf das künftige Peugeot-Design, das einfache geometrische Formen bietet und eine "noch katzenhaftere Optik" zeigen soll. dazu kommen verspielte Akzente bei Karosserieteilen, Reifen, Sitzpolstern und den lasergravierten Goodyear-Reifen.

Stark individualisierbares Cockpit 

Im Cockpit gibt es ein individuell anpassbares Armaturenbrett. So gibt es spezielle Halterungen für Mobiltelefone, Kopfhörer, Mützen, Rucksäcke oder Skateboards - Pate dafür stand möglicherweise das YouClip-System des Dacia Spring und des Renault Twingo.

Das Polygon Concept hat Flügeltüren. Die Windschutzscheibe geht in ein zweiteiliges Glasdach links und rechts sowie einen Mittelsteg über, die B-Säule wurde entfernt. So entsteht ein außergewöhnlich heller Innenraum. 

Außerdem sind innen wie außen sind viele Elemente in wenigen Minuten austauschbar. So kann das Hypersquare-Lenkrad in Farbe und Materialien personalisiert werden. Dazu kommen farbige Muster, die per Laser in die Reifenwände eintätowiert werden können - die Technik hat Peugeot-Partner Goodyear entwickelt. Auf einem Display im Innenraum zeigt das "SightLine"-System Informationen über die montierten Reifen an.

Das Concept-Car besteht auch aus weniger Teile als ein herkömmliches Fahrzeug. wodurch es leichter wird, und einfacher zu produzieren und nach der Nutzung zu recyceln ist. Der im Interieur verwendete Lack enthält Bestandteile aus Altreifen. Boden, Decke, Türverkleidungen usw. sind mit einem Textil aus recycelten Sitzen verkleidet.

Die Sitze bestehen aus einer Schale und einem "Formschaum". Die Sitzschalen aus recyceltem Kunststoff (R-PET) werden per 3D-Druck nach einem Verfahren des spanischen Unternehmens Nagami produziert, der Schaumstoff kommt von der belgischen Firma Sixinch. Auch der Sitzschaum kann gegen ein Teil mit anderer Farbe oder einer anderen Form ausgetauscht werden. Die Radkappen bestehen ebenfalls aus R-PET und entstehen per 3D-Druck. Die Herstellung soll auch durch die zwei großen Flügeltüren vereinfacht werden.

Unter dem Strich

Die Designstudie Polygon gilt als Vorschau auf den kommenden Peugeot E-208. Der kommt wohl 2027 auf Basis von STLA Small auf den Markt und erhält die Steer-by-Wire-Lenkung und das rechteckige Hypersquare-Lenkrad. Vielleicht wird dann auch die horizontale Lichtsignatur und optional ein Head-up-Display sowie einem Befestigungssystem à la YouClip eingeführt. Die Flügeltüren und die Mikro-LED-Technik gehören dagegen wohl zu den unrealistischen Elementen.  

© InsideEVs.de
Autor: Stefan Leichsenring