Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Historisch wird das Zitat oft Thukydides, einem antiken griechischen Historiker, zugeschrieben, der die Subjektivität von Wahrnehmung und Urteil betonte. Gerade beim modernen Autodesign gehen die Meinungen oft auseinander. Doch beim Kia EV4 Fastback dürften viele sagen: Diese Popöchen kann nur eine wahre Mutter lieben.
Allerdings heißt es auch: Don't judge a book by the cover. Nicht vorschnell urteilen. Fährt sich der Kia EV4 Fastback also besser, als er aussieht? Und bietet die ungewöhnliche Form vielleicht sogar irgendwelche Vorteile? Das gilt es im Alltagstest zu klären. Sehen wir uns zunächst die wichtigsten Eckdaten an:
| Schnelle Daten | Kia EV4 Fastback 81,4 kWh (2026) |
| Antrieb | Permanentmagnet-Synchronmaschine, Frontantrieb |
| Systemleistung / max. Drehmoment | 150 kW (204 PS) / 283 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 170 km/h |
| 0 - 100 km/h | 7,8 Sek. |
| Stromverbrauch / Reichweite (WLTP) | 14,9 kWh / 612 km (mit 19-Zoll-Bereifung) |
| Akku | 81,4 kWh |
| Maximale Ladeleistung / 10 - 80 Prozent | 128 kW / 31 Min. |
| Grundpreis | 47.140 Euro |
Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Batterie/Laden | Verbrauch/Preis | Fazit
Karosserie/Design
Seit 2025 ist der Kia EV4 auf dem Markt. Hauptsächlich für Europa gibt es einen 5-Türer mit Schrägheck (ohne Namenszusatz als EV4 oder zur besseren Unterscheidung als EV4 Hatchback bezeichnet), der in der Slowakei endmontiert wird. Hauptsächlich für internationale Märkte gibt es die etwas höher positionierte 30 cm längere Limousine als EV4 Fastback, die in Gwangmyeong in Südkorea endmontiert wird.
Besonders charakteristisch ist die Seitenansicht mit der niedrigen Nase und der lang gestreckten Silhouette. Dieses Profil deutet schon auf die exzellente Aerodynamik der Limousine hin (cW-Wert: 0,229 bei 17-Zoll-Rädern), zu der auch die vollflächige Unterbodenverkleidung beiträgt. Die von uns getestete Topversion GT-Line hat exklusive Designelemente wie flügelförmige Stoßfänger vorn und hinten sowie 19-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Dreiecksmotiven.
Was wie ein Fließheck aussieht, bietet aber keine große Klappe, sondern (wie beim Tesla Model 3) lediglich einen kleinen Heckdeckel. Im Stile einer Frachtflugzeug-Luke gibt der 4,73 Meter lange EV4 Fastback einen tiefen Kofferraum preis, der zwischen 490 und 1.435 Liter Gepäck schluckt. Wer nicht die längsten Arme hat, muss hier fast hineinkrabbeln, um seinen Koffer hervorzuholen.
Bilder von: Kia
Platz bietet der üppige Hintern also ohne Frage. Aber über die Ästhetik dieser Lösung lässt sich treffend streiten. Beim Karosseriedesign fällt auf, dass der hervorragende cW-Wert in Kombination mit dem Rollwiderstand tatsächlich spürbar ist. Das ist im Alltag schon sehr auffällig. Aerodynamik-Kenner werden sich an ein sogenanntes Kammheck erinnert fühlen, die meisten Beobachter aber wohl fasziniert-irritiert draufgucken. Fest steht: Die Sicht nach hinten ist bescheiden, zum Glück sind Parkpiepser und eine Rückfahrkamera immer Serie.
| Abmessungen | Kia EV4 Fastback 81,4 kWh (2026) |
| Länge x Breite x Höhe | 4.730 x 1.860 x 1.480 mm |
| Radstand | 2.820 mm |
| Leergewicht | 1.914 kg (mit 19-Zoll-Bereifung, inkl. Fahrer) |
| Zuladung | 441 kg (mit 19-Zoll-Bereifung) |
| Kofferraumvolumen | 490 - 1.435 Liter |
| Anhängelast | 1.000 kg |
| Dachlast / Stützlast | 80 / 100 kg |
Innenraum
Die Materialauswahl mit ihren Textil-Elementen wirkt angenehm, wenngleich die beigen, kantigen Elemente an den Türen optisch nicht gefallen und recht brutalistisch wirken. Zudem spart Kia nicht an Kunststoffen, die Oberkante der Türverkleidung ist verschmutzungsanfällig.
Ein markantes Element des Interieurs ist das serienmäßige Panoramadisplay. Es beinhaltet die beiden 31,2-cm-Bildschirme (12,3 Zoll) des digitalen Kombiinstruments und des Navigationssystems sowie dazwischen einen 13,5-cm-Touchscreen (5,3 Zoll) zur Steuerung der Klimatisierungsfunktionen. Es erstreckt sich bis weit in die Fahrzeugmitte, so dass auch der Beifahrer bequemen Zugriff auf den Infotainment-Touchscreen hat.
Bilder von: Kia
Die Bedienung ist meist einfach, eine Ausnahme sind die in die Armaturentafel integrierten Direktwahltasten in der Mittelkonsole unter dem Touchscreen. Beim hellen Interieur der GT-Line sind sie je nach Sonneneinstrahlung kaum zu erkennen. Gut gelungen sind die physischen Metall-Kippschalter fürs Klima und die Drehreglerwalze für die Lautstärke. Pluspunkte gibt es auch für die vielen Ablagen.
Auf dem optionalen Head-up-Display kann der Fahrer außerdem die wichtigsten Informationen direkt von der Frontscheibe ablesen, ohne den Blick von der Straße nehmen zu müssen. Das Platzangebot fällt großzügig aus, nicht zuletzt aufgrund des Radstands von 2,82 Meter. Im Fond gibt es viel Raum für die Beine, leider sind die Sitzlehnen zu stark geneigt und nicht verstellbar. Vorne sitzt man erstaunlich tief aber bequem, ein nettes Detail sind die weichen Kissen-Kopfstützen.
Antrieb/Fahreindrücke
Wie die Kia-Stromer EV9, EV6 und EV3 basiert der EV4 Fastback auf der Elektroplattform E-GMP (Electric Global Modular Platform), deren 400-Volt-Version in dem Kompaktwagen zum Einsatz kommt.
Bei den Fahreindrücken punktet der Wagen mit einem ruhigen Geräuschpegel bei Autobahntempo. Eine entspannte und leise Fortbewegung mit optionaler Sitzkühlung vorne, unauffällig komfortabel auch beim Abrollverhalten. Diese Abstimmung dürfte auf den US-Markt zielen, wir empfanden sie aber nicht als unangenehm.
Der Wendekreis fällt allerdings ziemlich groß aus, und auf stark unebenen Straßen oder bei Querfugen wankt das Fahrzeug manchmal recht stark. Zudem agiert die Armada an Assistenzsystemen (wie Kollisionswarnung und Spurassistent) etwas zu übereifrig.
Batterie/Laden
Die beiden zur Wahl stehenden Akkus (58,3 bzw. 81,4 kWh) Mit bis zu 625 Kilometer Reichweite liegt der EV4 Fastback mit Langstrecken-Akku im oberen Bereich seines Segments. Das Grundmodell kann mit einer Ladung seines 58,3-kWh-Akkus bis zu 456 Kilometer weit fahren (jeweils Werte für 17-Zoll-Räder).
Bei beiden Varianten lässt sich die Batterie in rund einer halben Stunde von 10 auf 80 Prozent aufladen. Das Laden erfolgte bei uns ohne Vorkonditionierung; die Ladegeschwindigkeit ging dabei in Ordnung, ist mittlerweile mit maximal 128 kW jedoch nicht mehr sonderlich beeindruckend. Zumal für einen solch großen Akku wie der 81,4-kWh-Variante. Praktisch indes: Die CCS-Abdeckung ist als Klappe ausgeführt und baumelt nicht an einer Schnur.
Für mehr Reichweite bei niedrigen Außentemperaturen sorgt die Wärmepumpe für die Innenraumklimatisierung (Serie im GT-Line, optional für Earth), die sowohl die Batterie- als auch die Ladeleistung maximiert.
Die gespeicherte elektrische Energie lässt sich nicht nur zum Fahren nutzen: Dank der "Vehicle-to-Load"-Funktion (V2L, optional ab Earth) kann der EV4 Fastback auch als 220-Volt-Stromquelle (max. 3,6 kW) dienen. Über einen Adapter am Ladeanschluss oder über die Steckdose im Fond lassen sich Haushaltsgeräte wie ein Elektrogrill oder eine mobile Kaffeemaschine betreiben, aber auch E-Bikes aufladen.
Über ein Ladekabel mit In-Kabel-Kontrollbox (ICCB) kann über die Wechselstromsteckdose sogar ein anderes Elektrofahrzeug geladen werden. Dabei wird die Batterie des EV4 Fastback dadurch geschützt, dass dieses V2V-Laden (Vehicle-to-Vehicle) automatisch abgebrochen wird, wenn die Akkuladung unter 20 Prozent sinkt.
Verbrauch/Preis
Das Kim-Kardashian-Heck spielt seine Vorteile beim Verbrauch aus. In der Praxis erweist sich der EV4 Fastback als bemerkenswert effizient. Bei gemäßigter Fahrt im Normal-Modus im Autobahn/Überland/Stadt-Mix erzielte der Autor problemlos eine 14 vor dem Komma. Das deckt sich mit den offiziellen 14,9 kWh Werksverbrauch, den Kia angibt.
Aber es geht noch mehr, wie unser sparfüßiger Kollege Fabian Hust zeigt. Er kam bei seinem Arbeitsweg sogar auf einstellige Verbrauchswerte. Und das mit einem über 1,9 Tonnen schweren Auto im Normal-Modus. Hier ist seine Übersicht:
Zur großen Reichweite trägt eine effektive Rekuperation bei. Das sogenannte "Smart Regenerative System Plus" des EV4 Fastback gewinnt beim Bremsen bis zu 25 Prozent der Energie zurück. Das intelligente System nutzt Navigations- und Routeninformationen, um Bremskraft- und Geschwindigkeitsanpassungen frühzeitig vorzunehmen, damit der Fahrer das
Bremspedal nicht betätigen muss, zum Beispiel vor Kreuzungen, Kurven oder Kreis verkehren und auch, wenn sich Tempolimits ändern.
Die Effizienz fördert auch das variable "i-Pedal 3.0"-System, das zudem ein Maximum an Komfort bietet. Denn es ermöglicht ein müheloses Fahren mit nur einem Pedal, auch im Rückwärtsgang, was das Manövrieren besonders bequem macht. Über Wippen am Lenkrad lässt sich die Rekuperation variieren oder ganz abschalten (Einstellungen 0, 1, 2, 3). Die Memory-Funktion sorgt dafür, dass das Fahrzeug nach einem Neustart die zuletzt verwendete i-Pedal-Einstellung beibehält.
Starken Einfluss auf die Reichweite von Elektroautos hat aber nicht zuletzt die Fahrweise. Kia hat deshalb einen neuen "Driving Range Guide" entwickelt. Er zeigt im Kombiinstrument die maximale und minimale Reichweite an, die je nach Fahrstil erreicht werden kann, sowie die geschätzte Reichweite auf der Grundlage des bisherigen Fahrverhaltens. Dabei gibt er auch eine farbliche Rückmeldung: Bei effizienter Fahrweise ist die Anzeige grün, wird das Effizienzpotenzial des Fahrzeugs nicht ausgeschöpft, färbt sie sich orange und die prognostizierte Reichweite sinkt.
Fazit
Zusammenfassend zeigt sich der Kia EV4 Fastback als sehr komfortabel und absolut langstreckentauglich, was nicht zuletzt am besonders leisen Abrollen liegt. Besonders bemerkenswert ist sein niedriger Verbrauch, den die eher niedrige Ladeleistung aber schmälert. Wahrscheinlich dürfte die polarisierende Optik den Absatz bei uns in Grenzen halten. Aber es könnte sich lohnen, nach dem EV4 Fastback als Jahreswagen Ausschau zu halten. Schließlich bietet Kia auch hier sieben Jahre Garantie.
Pro
- sehr geräumig
- erstaunlich sparsam
- komfortable Abstimmung
Contra
- polarisierende Optik
- nur mäßige Ladeleistung
- teils nervige Assistenzsysteme








