Machen wir uns nichts vor: Schillernde Zukunftsstudien sind ja ganz nett zum Ansehen und davon Träumen, aber wenns drei Tage am Stück durchregnet, ist einem die spacige Lounge-Optik herzlich egal. Da zählt nur eins: Funktioniert der Camper, oder nervt er?
Während der Vision V als schillernde Studie zeigt, wie Mercedes sich den rollenden Luxus-Van der Zukunft ausmalt, bleibt der echte Campingalltag bodenständig. Hier geht es nicht um Spielereien, sondern um Konkurrenten wie den Ford Transit Nugget oder den VW California. Mercedes liefert beim überarbeiteten Marco Polo jetzt genau das, was zählt: Schluss mit dem Gefummel an Saugnäpfen, kein Fluchen mehr beim Markise-Einkurbeln und endlich ordentlich Platz im Aufstelldach.
Im Kern bleibt er, was er ist: ein V‑Klasse‑Camper, der aussieht wie ein Konzept, nicht wie ein Kompromiss. Mercedes startet kein Neuprojekt, sondern feilt gezielt an den Punkten, die im Campingalltag zählen - beim Schlafen, Wohnen, Leben.
Das Aufstelldach spielt dabei die Hauptrolle. Die neue Aluminium‑Doppelschale soll stabiler und besser isoliert sein, der Faltenbalg im Heck wächst um zehn Zentimeter. Klingt unspektakulär, macht aber oben spürbar mehr Luft und weniger Zeltgefühl.
Bilder von: Mercedes-Benz
Dazu gibts ein neues Lichtkonzept mit umlaufender LED‑Ambientebeleuchtung, wählbar von kühl bis warm. In Kombination mit einem optionalen Schiebedach entsteht mehr Tageslicht am Tag und Sicht auf die Sterne bei Nacht - ein bisschen Romantik, die sich tatsächlich im Innenraum bemerkbar macht. Dieses Dach kommt allerdings erst ab dem zweiten Halbjahr 2026.
Auch außen hat Mercedes den Alltag im Blick. Die Markise ist neu konstruiert, lässt sich leichter abnehmen, und die Kurbel steckt endlich dort, wo man sie später sucht - in der Halterung. Magnetische Verdunkelungen fürs Cockpit ersetzen das Gefummel mit Saugnäpfen. Keine Showeffekte, aber spürbare Fortschritte für Leute, die ihren Bus wirklich nutzen.
Bilder von: Mercedes-Benz
Beim Infotainment wertet Mercedes auf: Acht Lautsprecher plus Subwoofer, abgestimmt auf den Innenraum. Musik läuft sogar, wenn das Infotainment aus ist - kleines Detail, große Wirkung. Das MBAC‑System steuert jetzt auch Schiebedach, Licht und Sound per Display oder App. Kein Gimmick, sondern echter Komfort, wenn alles reibungslos spielt.
Daneben bringt Mercedes viele dieser stillen Updates: verbesserte Klapptische, leichtgängigere Schubladen, ein neues Bedienpanel und eine sparsamere Kühlbox. Keine Revolution, aber genau das, was Camper merken, lange bevor sie Prospekte vergleichen.
Bilder von: Mercedes-Benz
Interessant ist auch der Produktionswechsel. Der Ausbau erfolgt künftig vollständig im Werk Ludwigsfelde bei Berlin. Bisher kamen Basis und Ausbau aus verschiedenen Ländern, jetzt bleibt alles in einer Hand. Das soll Qualität, Lieferzeit und Kontrolle verbessern.
Langfristig denkt Mercedes ohnehin weiter: Ende der Dekade sollen neue Van‑Architekturen starten - elektrisch oder mit modernen Verbrennern. Der Marco Polo ist also nicht nur Facelift, sondern Puzzleteil einer größeren Strategie.
Bilder von: Mercedes-Benz
Bestellbar ist er bald, ebenso der Marco Polo Horizon, quasi dieselbe Basis ohne Küchenzeile - mehr Freizeitmobil als Mini‑Wohnmobil. Premiere feiern beide Ende August 2026 auf dem Caravan Salon Düsseldorf.
Unterm Strich: kein Neustart, kein Zukunftstheater, sondern ein ehrliches Update. Etwas mehr Komfort, smartere Bedienung, bessere Details - und erstmals komplett aus eigener Hand gebaut. Der Marco Polo wird dadurch nicht neu erfunden, aber ein Stückchen ausgereifter.








